Bauherrenpreis 2019 Schule Schendlingen Bregenz

Schule Schendlingen-Bregenz

Bauherrenpreis 2019

 

Bauherr: Landeshauptstadt Bregenz

2-stufiger Wettbewerb: 2014

Realisierung: 2015-2017

Architektur: Architekt Matthias Bär ZT GmbH, Architekt Bernd Riegger ZT GmbH, Querformat ZT GmbH

Fotos: Adolf Bereuter, Dornbirn

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BAUHERRENPREIS 2019

 

Jurybegründung

 

Ein Gebäude, das durch die Durchdringung der Bauaufgabe auf struktureller wie formaler Ebene vollends überzeugt.

 

Auch hier herrscht Kostendruck – wie so oft gibt es viele, die mitreden wollen. An der Spitze aber steht ein Pädagoge, der weiß, was er will. Die Klarheit seiner Vorstellungen spiegelt sich im Gebäude wider, einer Ganztagsschule für 6- bis 14-Jährige, die auf einem bereits 2012 ins Leben gerufenen Nachdenkprozess über zukünftige Bildungskonzepte beruht. In Schendlingen sollten diese Überlegungen erstmals gebaut werden.

 

Dem Campus selbst kommt dabei keine geringe Bedeutung zu. Und so hört man oft beim gemeinsamen Rundgang vom „Raum als weiteren Pädagogen“. Flexibilität, Mehrfachnutzung, Clusterbildung – das Anforderungsbündel übersetzt das Architekten-Team in eine umso gelassenere, aber strenge Struktur, mit der es als Sieger aus dem zweitstufigen EU-weiten Wettbewerb hervorging. Den Anlass gibt der hohe Anteil an Schulkindern mit „Migrationshintergrund“ aus den Außenbezirken der Landeshauptstadt. Hier ist der Ort, an dem sie täglich mit der Stadtkultur in Kontakt kommen – die Straßen um die Schule wurden verkehrsberuhigt, üppige Glasflächen vermitteln zum Wohnquartier. Visuelle Hierarchien gibt es keine. Hier soll man allererst das Zusammenleben lernen.

 

Dem „Prinzip Sichtbarkeit“ kommt eine wichtige Rolle zu, denn es sorgt für Aufmerksamkeit und Sorgsamkeit im Umgang miteinander und mit den Dingen. Diese Niederschwelligkeit ist Programm: Zum Direktor gelangt man nicht übers Vorzimmer, Sekretariat gibt es keines, das Lehrerzimmer ist ein Klassenraum und die Sonderunterrichtsräume wirken stets aufgeräumt.

 

Der Stil: Eine Art neuer Brutalismus, in die tektonische Lehre gegangen; Beton, Glas und Holz, von der Decke abgehängt Akustikpanele aus Filz, die für ein bisschen Ornamentik sorgen – wenn man so will. Denn alles ist auf den Punkt gebracht, durch das helle und schön gemaserte, sägeraue Eschenholz und die satten Betonflächen (zweischaliger Sichtbeton) aber nicht spröde, sondern direkt, ungeschminkt. So kann man den Grundriss wie ein Diagramm studieren – ohne dass man sich in einem solchen befindet. Intelligent und kompakt ist dieser Musterschüler: Auflagen der Didaktik, Sicherheit, des Brandschutzes etc. – all das ist in eine Struktur integriert und bewältigt, die kraft ihrer sinnlichen Lapidarität zu Architektur wird. Der Dialog zwischen reformierter Pädagogik und anmutiger Gestaltung ist geglückt. Das gelingt dann, wenn Programme gut durchdacht sind und ambitionierte Architekten diesen Raum schenken.

 

Quelle: Zentralvereinigung der Architekten Österreichs

 

 

 

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